Von fliegenden Früchtchen und klammen Fingern

Die Sonne strahlt uns aus einem azurblauen Frühlingshimmel an, wärmt die wintersteifen Glieder. Die kleine Gruppe aus fünf Auszubildenden aus dem DAS AHLBECK genießt jede Minute dieses ersten warmen Nachmittages vor dem Markt 15 in Heringsdorf, dem Insel Groß- und Einzelhandel von Emin Doganay. Denn sie wissen, gleich geht’s in die Kälte. Gleich geht’s ins Kühlhaus des Gemüsemarktes.

Warenkunde und Warenerkennung stehen auf dem Stundenplan unserer angehenden Hotelfachfrauen, –männer und einem Hotelkaufmann. Ein Thema, das nicht nur Wissen für die Prüfungen bringt, sondern auch hilfreich und interessant für ein Haus wie das unsrige sein kann. Denn im DAS AHLBECK wird täglich frisch und mit marktfrischen Zutaten gekocht. Convenience – das sind bereits fertig verarbeitete Produkte – kommen bei uns nicht auf den Teller. Umso besser, wenn auch die Azubis wissen, was denn bei uns so alles verarbeitet und aufgetischt wird.

Der Insel Groß- und Einzelhandel Doganay bietet Warenerkennungsworkshops für Auszubildende an. Das heißt, eine Stunde aufmerksames Bibbern im Gemüsekühlhaus, während Sven Großpietsch vom Frischmarkt die vielen verschiedenen Gemüse- und Obstsorten erklärt. Dabei erfahren wir nicht nur den Unterschied zwischen Lollo Rosso oder Römersalat, sondern auch, dass mittlerweile mehr als 70 Prozent der Waren aus dem Ausland importiert werden. Die meisten Importe kommen derzeit von der Südhalbkugel. Hauptsächlich aus Südamerika. Kein Wunder. Dort ist es gerade Sommer. Und den Azubis steht die Sehnsucht nach Wärme deutlich ins Gesicht geschrieben.

Neben den gängigen europäischen Gemüse- und Obstarten wie Salat, Spinat, Porree, Möhren, Kartoffeln oder Äpfeln ist im Großmarkt eine Abteilung den so genannten Exoten gewidmet. Hier finden sich Granatäpfel, Drachenfrüchte, Mangos, Papayas, Ananas, Sternfrüchte, Kumquats und und und. Sven Großpietsch macht es sichtlich Spaß, die Obst- und Gemüsesorten von den Auszubildenden erraten zu lassen. Und er ist erstaunt, wie viel Wissen die Twens mitbringen. Was unbekannt ist, wird aufgeschnitten und probiert.

„Leider konsumieren wir in Deutschland meistens unreife Früchte“, erklärt Sven Großpietsch. Denn bei uns esse eher das Auge als der Mund. Lieber würden wir einen schönen roten Granatapfel kaufen, der innen jedoch noch sauer und unreif ist, als einen schon weichen, leicht bräunlichen, dessen Kerne süß und saftig seien. Auch anderen Obstsorten gehe es da ähnlich.

Einen großen Unterschied, nicht nur preislich, gibt es zwischen der „ready to eat“-Ware, die unreif geerntet wird und erst während der langen Schiffsreise nach Europa nachreift und der Flugware, die reif vom Baum oder Strauch gepflückt, in kurzer Zeit via Flugzeug im Handel landet. „Wunderbar süß“, lautet das Urteil über die verkostete Flug-Mango. „Aber auch wunderbar teuer“, so die Antwort des Marktmitarbeiters.

Vorbei an Feigen, türkischen Spezialitäten, intensiv duftenden Kräutern, essbaren Blüten, riesigen Gemüsezwiebeln und ganzen Stiegen von Äpfeln waren am Ende die Finger ganz schön klamm, doch die Köpfe mit spannenden Fakten voll.

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